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Ōkami – Review

Verfasst von Blackwolf am 18.07.2009 - 12:14.

Ōkami – Review

Vor einigen Jahren fesselte ein einzigartiges Spiel einige wenige Spieler an die Playstation 2, eines das einige Jahre später auf der Wii neu aufleben sollte und selbst heute noch Gamer in eine unglaubliche Welt aus Pinselstrich und Magie fasziniert. Es ließ die japanische Mythologie so lebendig werden wie kein Spiel zuvor und das ohne sich dabei dem westlichem Geschmack anzubieten. Von Fans und Kritikern hoch gelobt, bedeutete es jedoch das Ende der Cloverstudios durch einen kommerziellen Flop. Dieses Spiel ist Okami.

Lag es an der Qualität des Spiels? Definitiv nicht. Okami ist das einzige Spiel, dass sich nicht nur das Genre, sondern auch die Qualität von Zelda teilt. Und das sagt eine Menge. Und damit ist im Prinzip auch schon der ganze Gedanke von dem Spiel zusammengefasst. Es ist Zelda in vielen Belangen so ähnlich, dass es noch nicht einmal verkehrt wäre, es als „Kopie“ zu bezeichnen. Doch anders als die meisten Plagiate klaut es nicht nur das Gute an Zelda, sondern mixt es auch noch mit einer Menge eigener Ideen. Die Mischung die sich daraus ergibt schmeckt ein wenig wie Nintendo mit einem Schuss künstlerischer Farbe. Wortwörtlich. Der Hauptaspekt des Spiels ist der „göttliche Pinsel“, mit der man per Wiimote munter in seine Umgebung hinein malen kann.
Doch woran lag es nun, dass dieses Spiel damals nur wenige zum Kauf bewegt hat? Ein kleiner Abstecher ins mythische Nippon wird sicher einige Antworten geben.

Amaterasu ist die Heldin des Abenteuers, begleitet vom hüpfenden Künstler Issun.

Heldin auf vier Pfoten

Vor langer, langer Zeit im Lande Nippon besiegte die mächtige Wolfsgöttin Shiranui den bösen, achtköpfigen Drachen Orochi, der sich jahrelang unschuldige Jungfrauen opfern ließ. Nur mit der Hilfe des großen Kriegers Nagi schaffte es die Wölfin dem dunklen Monster Einhalt zu gebieten, auch wenn sie dafür ihr Leben lassen musste. Viele Jahre später wurde Orochi wieder erweckt, als jemand Nagis Schwert aus einem Felsen zieht. Ein wenig ungehalten über seinen damaligen Tod überzieht er das Land mit Dunkelheit. Also eigentlich das, was jeder anständige Bösewicht tun würde. Um die damalige Bezwingerin von dem Unhold ebenfalls wieder in den Kampf ziehen zu lassen, schützt der Baumgeist Sakuya ein kleines Dorf, dass schon vor vielen Jahren von dem Drachen terrorisiert wurde und als Shiranuis Grabmahl dient. Die Reinkarnation der weißen Wolfsgöttin nennt sich nun Amaterasu. So zumindest fängt Okami an. Es erzählt uns die gesamte Vorgeschichte, leider auch sehr lang und anhaltend. Gerade für ungeduldige Gemüter ist dies eine Nervenprobe. Auch danach wird es nicht besser. Nun folgt ein langes Gespräch mit Amaterasu und Sakuya, das eine kleine Einleitung in die derzeitige Situation gibt.
Obwohl das nicht ganz richtig ist. Die Wölfin selbst spricht kein Wort, dafür hat sie aber einen kleinen Sidekick namens Issun, der gleich zu Beginn ohne Vorwarnung zwischen Sakuyas ... ähm... Brüsten hervorspringt. Dieser kleine Knilch nennt sich einen „wandernden Künstler“ und hängt sich nun an den Pelz des Kläffers, um fortan als Sprachrohr für Amaterasu und als Tippgeber für den Spieler zu dienen. Hier ist unschwer die Parallele zu Zelda zu erkennen. Ja, Issun ist wie Navi, aber auch nur wenn man die Zeldafee männlich macht und ihr einen Große-Brüste-Fetisch gibt.
Wie besiegt das Zweiergespann also nun den Drachen? Sie machen sich auf alle Götter der Pinselkunst zu befreien und deren Kräfte zu erlernen, um nach und nach sämtliche Elemente der Welt selbst in die Hand zu nehmen.
So schnell die Handlung erzählt und eigentlich auch begriffen ist, es verbirgt sich mehr hinter der Story als nur „Held rettet Welt vor Bösewicht“. Es wird vermutlich nicht zu viel verraten, wenn man weiß, dass Orochi nur der Anfang für ein weitaus größeres Abenteuer ist. Die Geschichte, die der Spieler also verfolgt ist nicht nur groß, sie ist unglaublich lang und wendungsreich, nebenher gibt es auch einige kleinere Geschichten in Form von Sidequests. Daher bleibt sie selbst die lange Zeit über spannend und interessant, was nicht zuletzt den vielen liebenswürdigen Charakteren zu verdanken ist. Ob der prahlerische Nachkomme von Nagi, der kauzige Dorfälteste oder der kleine hüpfende Punkt Issun, alle werden sie äußerst charmant in Szene gesetzt und haben einen eigenen kleinen, aber wichtigen Auftritt, egal wie unbedeutend ihre Rolle im Spiel auch ist.

Schwalben? Ja, warum nicht?

Kunst & Spiel

Grafik in einem Spiel ist sicher nicht alles, Besitzer von dem kleinen, weißen Nintendo-Kasten wissen das sicher am besten. In manchen Videospielen ist Grafik zweckmäßig, in anderen hübsch und in Okami ist es Kunst. Jeder Gegenstand, jeder Fleck in Nippon und jede Figur sind handgezeichnete Objekt nach einer traditionellen, japanischen Zeichenart, was in bewegter Form nicht nur beeindruckend aussieht, es wirkt fast wie ein lebendiges Gemälde aus Tusche. Ein Screenshot kann nicht genug ausdrücken wie gut Okami aussieht, man muss schon das Spiel in Aktion erleben. Obwohl technisch das Cel Shading nicht anspruchsvoll ist, so kann man ohne schlechtes Gewissen zu haben gleichfalls behaupten, dass Okami eines der bestaussehensten Spiele auf der Wii ist. Die Grafik ist nicht nur hübsch, vielseitig und unglaublich detailverliebt, es trägt eine besondere Atmosphäre mit sich, das dem Spiel seinen permanenten Stempel aufdrückt. Ob die weiten Ebenen Nippons oder die dunkle Gruft des Drachen Orochi, alles saugt einen förmlich in die Welt der japanischen Mythen und Sagen. Auch die vielen Gestalten, die man als Amaterasu begegnet üben ihren eigenen, kleinen Reiz aus. Sei es nun der Spatzen-Klan, die böse Hexe Zungenschneider oder die Meeresbewohner, alle sie tragen ihren Teil für eine epische Fantasy-Geschichte bei.
Kreativität trifft Imagination, ein Zusammenspiel, dass definitiv sich als Geniestreich bezeichnen lässt. Die Welt der Wolfsgöttin ist auch so hübsch wie lebendig. Zwischen dichten Wäldern, offenen Stränden und selbst finsteren Höhlen lässt sich immer etwas entdecken, ob nun umherziehende Tiere, funkelnde Geheimnisse oder streitsüchtige Teufel. Ein dynamischer Tag- und Nachtwechsel sowie weitere, unzählige Einzelheiten sorgen unweigerlich dafür, dass sich einfach alles trotz des stilisierten Grafikstils alles ganz natürlich anfühlt. Besonders eindrucksvoll ist es anzusehen, wenn eine gesamte von Orochi verfluchte Zone durch Amaterasu gereinigt wird und sich das Grün der Wiesen und der Glanz der Blumen wie eine Welle über das karge Land ausbreitet. Wenn die Atmosphäre so dicht ist, dass man sie fast mit einem Messer durchschneiden könnte, dann haben die Entwickler definitiv etwas richtig gemacht. Und Okami lebt davon.
Die begleitende Hintergrundmusik ist an und für sich kein großes Meisterwerk im eigentlichen Sinne, da viele Stücke sicher nach dem Spiel wieder rasch vergessen sind. Doch natürlich sind die japanischen Klänge auch nur als Unterstützung für das Spiel gedacht. Sie mögen nicht auf eigenen Füßen stehen können wie einige Zeldatracks, aber sie gehen eine dichte Symbiose mit dem Spiel selbst ein, weswegen auch sie ihren Teil für Okamis dichte Präsentation beitragen.
Leider sind die Stimmen aller Figuren nicht vertont, sondern nur durch einen murmelnden Kauderwelsch vertreten, der gerade am Anfang und in der langen Erzählphase recht störend wirkt. Aber auch das legt sich irgendwann und fällt dann nicht einmal weiter auf.
Insgesamt ist die gesamte Präsentation des Spiels höchst stimmig und künstlerisch, ein Umstand, der einen immer wieder gerne in Okamis Welt aus Tusche und Farbe zieht.

Es gibt viel zu entdecken in der weiten Welt Nippons.

Pinselstrich mit Biss

Ohne Vorkenntnisse könnte man fast glauben, Okami sei für die Wii exklusiv entwickelt worden. Amaterasus mächtige Fähigkeit „Der göttliche Pinsel“, ist wohl einer der einfallsreichsten Ideen der Videospielwelt und die Pinselführung per Wiimote fühlt sich dazu geradezu natürlich an. Aktiviert man das Zeichenwerkzeug, friert das Spiel in eine Art Papierrolle ein, auf der man nun durch ein wenig Tinte die Spielwelt beeinflussen kann. Das reicht vom Bäumefällen durch gerade Pinselstriche, zur Erschaffung von Bomben durchs Zeichnen oder das Umlenken von Wasser, Blitzen und Feuer solang nur genug Tinte vorhanden ist. Was nicht nur im Kampf häufig zum Einsatz kommt, ist bei Knobeleinlagen sogar noch ein wenig geistreicher vertreten. Sprengen, Kombinieren, Zusammenfügen. Mit zunehmenden Fähigkeiten des Pinsel scheint die Ideen der Entwickler kein Ende zu nehmen. Selten sieht man ein Werkzeug so vielseitig und konsequent in einem Videospiel umgesetzt und kann dabei auch noch immer wieder überzeugen.
Zeldatypisch finden sich auch bei Gegnern und Bossen immer wieder Schwachstellen, die mit Nachdenken gelöst und mit dem Pinsel gefunden werden müssen. Dabei ersetzt diese eine Technik das gesamte Waffenarsenal von Link. Enterhaken, Pfeile, Bomben oder Bumerang, alles eine Frage des Einsatzes.
Wer jedoch denkt, dass eine Wolfsgöttin nur den Pinsel schwingen muss um die Schergen des Orochi besiegen zu können, der irrt. Amaterasu hat selbst auch noch eigene Waffen zu bieten, die ihr quasi als Nahkampfwaffe dienen. Diese lassen sich grob in drei Kategorien unterscheiden: Scheiben, Perlen und Schwerter. Ein reines Geschüttel wie das bei „Sonic und der schwarze Ritter“ der Fall ist, erlebt man hier nur bei der Perlenkette, alle anderen Waffen müssen dagegen in einem speziellen Takt geschwungen werden, um eine Schlagkombination auszuführen. Wer nur die Fernbedienung wie ein Mixer durchrüttelt, wird hier auf ein eher unbefriedigendes Ergebnis kommen. Das fordert gerade zu Anfang eine gewisse Eingewöhnungszeit, aber insgesamt ist die gesamte Steuerung zufriedenstellend. Kleine Aussetzer zeigen sich hier leider ab und zu während dem Zeichnen mit dem Pinsel, gerade wenn man nicht die ruhigste Hand hat.
Völlig außer Kontrolle geraten ist das Ausweichen der weißen Göttin. Hier kommt der Nunchuck zum Einsatz, doch egal wohin man das kleine Plastikgerät schwingt, Amaterasu scheint immer in eine andere Richtung ausweichen zu wollen. Da wird schnell mal aus einem Ausweichschritt nach vorne einer zur linken Seite, ein Ausweichschritt nach hinten auch und will man zur rechten Seite, geht die Wölfing auch links. Will man aber nach links, springt sie nach hinten. Will man also einem Angriff entkommen, schüttelt man einfach den Nunchuck und weicht dann einfach 'irgendwohin' aus. Ärgerlich, aber zum Glück nicht wichtig genug, dass es im Großen die Kämpfe behindern würde.

Rascher Ausfallschritt und dann zum Angriff übergehen! Ist ja nicht der erste Kampf.

Es riecht nach Freiheit!

Abseits von dem Gekloppe mit Teufeln und Dämonen hat man als Spieler eine riesige Welt zu erforschen. Okami lädt geradezu zum Erkunden ein, denn Geheimnisse und Schätze bietet die Welt genug. Neben sammelbaren Wertgegenständen muss die Welt auch nach „Glück“ abgesucht werden, welche wiedermal eine andere Bezeichnung für rollenspieltypische „Erfahrungspunkte“ darstellen. Diese bekommt man nicht durch das Bezwingen der Gegner, sondern durch das Lösen von Aufgaben, der Bekämpfung und Wiederherstellung von verfluchten Zonen und dem Füttern von Tieren. Diese darf man dann in zusätzliche Tinte, mehr Solarenergie, neue Mägen oder eine größere Geldbörse investieren. Ersteres verlängert die Dauer der nacheinander ausgeführten Pinseleinsätze, das zweite stellt Amatersus Lebenspunkte dar. Die Mägen sind in Okamis Fall so etwas wie die Fee in der Flasche von Zelda. Füllt man einen Magen durchs eifrige Aufessen von verstreuten Nahrungsmitteln, belebt er die Göttin im Fall der Fälle wieder und verhindert so ein rasches Ableben der Wölfin. Aber auch zusätzliche Mägen und Solareinheiten lassen sich in der weiten Welt Nippons selbst ausfindig machen, neben gut 100 versteckten Perlen, die auch noch gefunden werden wollen. Wer also neben unzähligen Sidequests sich auch noch zum Erforschen, Schatzsuchen und Erkunden berufen fühlt, hat an Okami wohl seine wahre Freude.
Man könnte noch seitenlang erzählen, was man in diesem Spiel noch alles erleben und tun könnte und sicher würde einem dann noch etwas einfallen. Was also den Umfang angeht, so wird der Spieler schon fast aggressiv mit Inhalt überschüttet, so viel Sammelbares und Verstecktes findet sich mit einer Spiellänge, die irgendwie nie enden möchte. Gut 40-50 Stunden darf man für das flottere Durchspielen von Okami ein berechnen, nicht zu vergessen sind die ganzen Bonusinhalte, die nach dem ersten Durchspielen alle bemerkt werden wollen.

Vorsicht! Mit Göttern ist nicht zu spaßen!

Fazit

Okami ist herausragend in den Punkten Grafikstil, Umfang, Story und Atmosphäre. Es hängt sich nicht an den Mainstream auf und durchbricht die Grenze zwischen Unterhaltunssoftware und bewegter Kunst. Wenn sich ein Titel zu Recht als Meisterwerk bezeichnen darf, dann ist es Okami, sowohl auf der PS2 als auch auf der Wii. Okami verdeutlicht einmal mehr, warum so viele Leute vom Medium Videospiel fasziniert sind, denn es entführt uns so hautnah in die Welt der asiatischen Mythologie, dass man das Knistern alter Pergamente fast hören kann. Trotzdem bleibt es frisch und neu und kann gerade durch seine Andersartigkeit begeistern. Ums kurz zu machen: Okami ist ein wunderbares Abenteuer zwischen Magie und Tinte und definitiv eines der besten Titel der letzten Jahre.

Gamekanal.de – Blackwolfs Empfehlung: Okami ist mittlerweile für gut 20-30€ zu haben und bietet dafür eine Qualität und einen Umfang, der den doppelten Preis mehr als würdig wäre. Wenn ihr es noch nicht habt, dann holt es euch. Eine größere Empfehlung kann man eigentlich nicht aussprechen, denn dieser Titel wird weit zu unrecht von Spielern nicht geachtet. Der einzigartige Grafikstil mag manche von dem Spiel abschrecken, aber wer sich darauf einlässt hat mit Okami eines der besten Adventures seiner Zeit im Haus.

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