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Mad World - Review

Verfasst von Blackwolf am 07.05.2009 - 21:54.

Mad World – Review

Die Macher von dem wunderbaren Videospielmärchen „Okami“ kommen dieses Jahr mit einem der blutigsten Titel der letzten Jahre heraus. Wo Motorsägen heulen und Glieder brechen fängt Mad World erst an, denn wiedermal steht nach „House of the Dead“ die für die Wii produktive Spielefirma mit einem Erwachsenentitel an. Hier steigen Schwerverbrecher in den Ring, dessen Größe einer ganzen Stadt gleicht, nur um sich zur Freude der Zuschauer der Sendung „Death Watch“ zu töten. Und nur einer der Teilnehmer scheint dem Ganzen ein Ende bereiten zu können. „Jack. Just Jack.“

Schwarz, Weiß und bitterböse, das sind die Markenzeichen für dieses Spiel, dessen Titel zum Inhalt kaum passender sein könnte. Doch was steckt hinter „Mad World“? Blutige Videospielkunst oder monotones Gekloppe und Gorefest? Was euch zumindest erwartet ist ein klassisches Beat'em up alá „Fatal Fury“. Geht durch die Stadt und vernichtet jeden, der euch in die Quere kommt. Doch anders als noch damalige 2D-Mitglieder des Genres zelebriert Mad World jede Grausamkeit gerne auf eine gerade zu verliebte Art und Weise und nimmt sich weder in Tabus noch Kreativität etwas heraus. Auch wenn die Brutalität mit mehr als einem Auge überzeichnet und teilweise sarkastisch humorvoll ist, Mad World ist kein Kinderspiel.

Und das bitten wir von Gamekanal.de bitte herzlich zu berücksichtigen, denn hier dargestellte Screenshots können für Minderjährige ungeeignete Szenen enthalten. Wer noch nicht das 18te Lebensjahr vollendet hat, sollte von hier aus das Review verlassen.

Alle anderen sind herzlich willkommen eine kleine Reise durch Varrigan City mitzumachen.

 

Das wird kein Zuckerschlecken...

Ein Massaker in Schwarz und Weiß

Ein bisschen ist es vermutlich Trotz, zu anderen Teilen sehr eigenwillig wie Mad World daherkommt. Statt bunter Knuddelfreude gibt es abgetrennte Gliedmaßen, statt Einsteiger-Casual gibt es eine Kettensäge durch die Brust und anstelle von Familienfreundlichkeit tritt ein makaberes Gladiatorenspiel. Und dies auf Nintendos Weißer! Zugegeben: So mancher wird vermutlich erst einmal seine Konsole überprüfen, ob er nicht zufällig seine Xbox 360 angeschaltet hat, nachdem er allein den Titelbildschirm sieht mit seiner blutverschmierten Kettensäge.Doch die Grafik beweist eindeutig, dass es sich um ein Wii-Spiel handelt, denn statt satter Effekte trumpft Mad World wie schon Okami zuvor mit einer eigenwilligen Cel-Shading Optik auf.

Generell haben beide Spiele eines gemeinsam: Das was die Wii nicht an Grafik drauf hat, gleicht man durch eine Menge kreativen Stil wieder aus. Daher hat man auch unweigerlich das Gefühl als hätte sich ein besonders verspielter Grafiker, der im früheren Leben einmal Comicbücher machen wollte, nach Herzenslust an diesem Spiel austoben können. Das Ergebnis erinnert an „Sin City“, „300“ oder an eine andere Grafiknovelle von Frank Miller. Die komplette Umgebung ist schwarz und weiß, sämtliche Objekte und Details und auch alle Figuren, was das Spiel nicht nur abstrakt sondern auch eigenartig faszinierend macht. Trotz der monochromen Farbgebung bleibt aber alles übersichtlich und gleichzeitig detailreich, fast als wäre man in einem dreidimensionalen Comicbuch gefangen. Auch Zwischensequenzen erzählen die fortlaufende Handlung gerne einmal mit eingeschobenen Panels, sodass die optische Verwandtschaft zu den Bildergeschichten sicher nicht mehr zu übersehen ist. Das Gefühl einer Gesellschaft an ihrem dekadenten Abgrund wurde selten in einem Videospiel so überzeugend und gleichzeitig so stilsicher übermittelt.

Übrigens gibt es hier auch Geräusche zum Anschauen. Selbst der leiseste Schritt wird noch mit einem eingeblendeten „Tap, Tap, Tap“ auf dem Bildschirm begleitet, eine laufende Mottorsäge kriegt dazu noch ein lautes „SCREWTCH!“ eingeblendet.

Die bei weitem aber interessanteste Grafikentscheidung ist aber noch die Addition einer dritten Farbe zum Schwarz und Weiß: Rot. Dieses kommt immer dann zum Einsatz, wenn wieder Blut fließt, was durch den Kontrast zur Umgebung noch deutlich verstärkt wird. Und damit wurde auch nicht gespart. Es fließt literweise virtuelles Pixelblut und dies zieht bis zum Ende durch. Tatsächlich besitzt dieses Spiel einen eigenen „Blood Effect Designer“ (kein Scherz) und es bleibt fraglich, ob dieser Mitarbeiter in der Produktionsabteilung nicht auch noch jede Menge Überstunden geschoben hat. Auch dies ist kein Scherz, denn die Darstellung der Gewalt lässt sich schon nicht mit „großzügig“ beschreiben, vielmehr mit „verschwenderisch“. Da die rote Flüssigkeit aber im Gegensatz zu der amerikanischen Fassung von „No More Heroes“ hier nicht die Übersicht behindert, sondern als konstantes Stilmittel zur Überzeichnung herhalten muss, ist das Massaker immerhin grafisch hübsch anzuschauen, wenn sicher auch nicht jedermanns Geschmack.

 

Jacks bester Freund: Die Kettensäge.

Gewaltiger Klang

Zur Blutorgie dröhnt auch noch ein starker Hip Hop- und Rapmusiksound aus dem Fernseher, dessen Texte garantiert genauso gewalttätig sind wie der Rest des Spiels. Und hier könnte auch logischerweise ein rauer Knackpunkt liegen. Wie könnte eine textlastige Musik je störfrei zu einem Spiel passen, dass selbst als genug die Aufmerksamkeit des Betrachters fordert? Auf welche Art und Weise auch immer: Mad World tut dies. Man muss kein Fan der Musikrichtung zu sein, um zu merken wie gut hier Spielmechanik und Hintergrundmusik angepasst wurden. Jeder Track findet seinen Platz, jeder Sound klingt natürlich und untrennbar mit dem Geschehen verbunden. Eigentlich ist von den Machern von „Okami“ auch nichts anderes zu erwarten, dennoch ist es erstaunlich wie gut hier verschiedene Störfaktoren wie farblose Umgebung, hektischer Sound und übertriebene Effekte unter einen sehr lauten und schrillen, aber abgestimmten und passenden Hut gebracht wurden. Das harte Geschehen bringt schnelle und fetzige Action samt lauter Musik zusammen und ehe man es sich versieht ist man im Spiel drin, im Takt von Rap, Kettensägen und Gewalt, selbst wann man das Spiel vorher eher mit spitzen Fingern angefasst hatte. Das ist ohne Frage ein Zeichen von gutem Design und beweist eine gewisse Intelligenz wie man Auge und Ohr des Spielers durch die virtuelle Welt leitet.

Zudem besitzt der blutige Showkampf, so wie es sich für echten „Sport“ gehört, zwei Kommentatoren, die das Geschehen durch ihre Aussagen bewerten. Sportlich Fair ist bei Death Watch aber ohnehin nichts und so lassen sich beide Sprecher auf eine ziemlich sarkastische Art und Weise über die Brutalität des Geschehens aus, können aber dabei tatsächlich den einen oder anderen Schmunzler bringen. Dies mag natürlich sonderlich klingen, bedenkt man, dass das Spiel einen Todeskampf zum Inhalt hat, aber Freunde von bitterbösem Schwarzen Humor werden sofort bedient. Doch wenn beide Kommentatoren sich wundern, warum nur der Spieler alle Power-Ups einsammelt, die Gegner aber nie („It's like only Jack can see them!“) und dahinter eine ganze Verschwörung wittern ist zumindest ein amüsiertes Kopfschütteln drin. Leider wiederholen sich einige Sprüche jedoch deutlich zu oft, weswegen sie manchmal unnötigerweise nerven.

Generell ist die gute Vertonung in dem ganzen Spiel bemerkbar. Wenn Protagonist Jack mit seiner tiefen Stimme einem anderen Teilnehmer droht, möchte man sich am liebsten selbst gleich mit ergeben. Auch die anderen Figuren wie der fiese „ Agent XIII“ oder der klischeehaft „gepimpte“ Schwarze Baron machen da keine Ausnahme. Die Sprecherwahl ist also ebenfalls durchgängig erste Klasse und weiß durchaus seinen Reiz vollkommen auszuspielen.

Dumm nur, dass sich die hervorragenden Elemente des Spiels manchmal selbst ein Bein stellen. Wenn Kettensäge, die Sprüche eines Kommentators und auch noch der Hip Hop-Soundtrack zusammen aufdrehen, dann kann es sehr irritierend und störend sein. Doch die Momente sind selten und schnell wieder vergessen wenn der Rausch aus Blut und Kampf wieder eintritt.

 

Die Arten zu sterben sind bei dem Spiel vielfältig. Nutze sie alle aus!

I have a chainsaw attached to my arm. I'll be fine!

Der Spieler übernimmt die Rolle von Jack Cayman, einem mysteriösen neuen Teilnehmer in dem Spiel um Mord und Totschlag, dessen Beweggründe mehr als nur eine Schicht aufweisen. Die einzige Chance zum Überleben? Töte alle anderen.

Ein kleines Tutorial leitet die gröbste Spielmechanik ein und erklärt dem Spieler die Steuerung und lässt ihm Zeit sich hineinzufinden. Hier werden auch sofort die grundlegenden Regeln von jedem Showkampf erklärt, an die sicher Spieler nach und nach entlanghangeln wird. Die häufigste Variante wird das offene Feld bleiben. In einem recht eng umzäunten Gebiet trifft man auf Horden von anderen Teilnehmern, die es zu erledigen gilt. Doch Jack muss nicht nur sein eigenes Überleben sichern, sondern auch die Zuschauer unterhalten. Und dies geht nur, indem man seine Feinde auch auf möglichst kreative und blutige Art und Weise tötet, je abstruser, umso besser. Das klingt zunächst unheimlich grausam, ist aber spielerisch sinnvoll mit der Levelidee verbunden. Das Ausschalten anderer Mitspieler bringt Punkte, die für Jack weitere Ereignisse und Waffen im Level freischaltet, nicht zuletzt ist eine gewisse Anzahl an Punkten notwendig um es auch beenden zu können. Wer jedoch nur stumpf mit der Kettensäge durch die Gegnerhorden rennt wird dafür ewig brauchen. Vielmehr verlangt die Umgebung eine ganze Menge Kreativität vom Spieler ab, der durch Ausprobieren und Tüfteln bald eine ganze Reihe an Todesarten finden wird. Ein Beispiel: Mithilfe von einem Autoreifen kann man einen Gegner bewegungsunfähig machen, indem man ihn mehr oder weniger damit fesselt. Nach einem kurzen Ruck lässt sich auch gleich ein ganzes Straßenschild aus dem Boden reißen und durch den Hals seines Opfers rammen, um ihn anschließend an eine Wand mit rostigen Stacheln zu schleudern. Selbst eine Sitzbank, eine Tonne oder eine Sektflasche lassen sich zum morbiden Mordinstrument umformen.

Da die Gewalt ohnehin hoffnungslos überzeichnet ist, verliert sich der Realismus einer ernsthaften Grausamkeit bald. Teilsweise lassen sich die Kombinationen nur noch als albern bezeichnen, doch Spaß bringen die immer neuen Umgebungen schon, da jedes Level ganz eigene Möglichkeiten bietet. Letztendlich lässt sich aber nicht vermeiden, dass man einige Kombinationen recht oft wiederholen wird, denn so zahlreich auch die Ideen sind, die Gegner sind in ihrer Anzahl bei weitem höher.

Generell ein Wort zur Steuerung: Sie ist hervorragend. Ein kluge Mischung aus traditioneller Steuerung per Tasten und der Sensorik der Wii beweisen sich bald als eingängig und vorbildlich. Die Standardangriffe wie Schläge und Tritte liegen auf der A-Taste, die in Jacks Arm integrierte Kettensäge lässt sich mit gehaltener B-Taste ziehen und mit der Wiimote schwingen, sowohl horizontal als auch vertikal. Ohne B lässt sich mit etwas Geschüttel auch satte Schläge anbringen, die einen Gegner schonmal den Kopf kosten können. Wortwörtlich. Der Schwung des Nunchucks dagegen lässt Jack zurückspringen und eignet sich erstklassig zum Ausweichen. Dumm nur, dass das zeldaähnliche „Lock on“-System für die Kamera alles andere als eingängig ist. Ein Druck auf die C-Taste zentriert die streckenweise unübersichtliche Kamera hinter Jack, doch das Gedrückthalten lässt einen Gegner dauerhaft anvisieren. So in der Theorie. Manchmal scheint es einfach nicht zu funktionieren und fühlt sich auch nie wirklich intuitiv an. Wenn man dafür unfaire Schläge kassieren muss, ist das mehr als ärgerlich.

Wenn ein Feind jedoch selbst besonders angeschlagen ist, kann Jack auch einen „Finisher“ alá Mortal Combat einleiten, als wäre das Experimentieren mit der Umgebung nicht brutal genug. Diese Tötungsarten sind ebenfalls recht vielfältig und teilweise von der Waffe, die Jack trägt, abhängig. Hier kommt dann auch die Wiimote zum Einsatz. Wie ein Quicktime-Event gilt es beide Steuereinheiten in die auf dem Bild angezeigte Richtung zu bewegen, um zur rechten Zeit sein Opfer in die Mangel zu nehmen. Dies ist bei anfänglichen Gegnern auch recht einfach, denn es scheint als könnten sie Jack in keiner Art und Weise die Stirn bieten. Doch der Schwierigkeitsgrad steigt bald auf ein forderndes Level und nötigt einem schon einmal zum taktischen Rückzug.

 

Das Spiel hat Herz. Wortwörtlich...

Wer man nicht in den Armen hat...

Was die Waffenkammer Jack zur Auswahl bietet ist ebenfalls recht ansehnlich. Keulen, Dolche, Golfschläger... Was auch immer ihr ergreift, die Steuerung bleibt die selbe, das Massaker vergrößert sich nur. Allerdings bringen die durch Punkte erspielten Mordinstrumente immer eine erfrischende neue Taktik in die Kämpfe. So kann man die Keule recht gut wie einen Baseballschläger schwingen und auch die anderen Teilnehmer in einem hohen Bogen in die nächste Häckselmaschine schleudern. Die Dolche trennen kinderleicht Arme und Beine vom dazugehörigen Körper und hinterlassen seinen Besitzer in einem (h)arm- und wehrlosen Zustand. Wer gerne Köpfe zielgenau als Geschosse verwenden will, dem kann der Golfschläger weiterhelfen. Das Spiel verbirgt noch drei weitere Waffen, die sich in Effektivität nur noch steigern, doch zwei davon sind erst verfügbar, wenn man das Spiel schon einmal hinter sich gebracht hat. Doch auch die kleine, tödliche Hilfe kann einem nicht dauernd dienen, alle Waffen haben nur eine begrenzte Haltungsdauer und zerbröckeln dann in Jacks Händen. Zu den anderen Powerups gehören die klassischen Extra-Leben (hier in einem roten Ballon mit Jacks Profil drauf) und Energie wiederherstellende Kapseln und Zwiebeln (?).

Dazwischen schiebt das Spiel dann gerne eine „Blood Bath Challenge“, präsentiert vom Schwarzen Baron persönlich. Diese sind aber eigentlich nichts anderes als eine Sammlung Minispiele, bei der möglichst viele Gegner unter der vorgegeben Bedingung getötet werden müssen. Die Regeln sind aber nicht schwer zu begreifen. Eine übergroße Darthscheibe, Jack mit einem Baseballschläger und viele böse dreinblickende Gesellen? Ganz klar! Wer seine Gegner durch einen heftigen Schlag in der Mitte der Scheibe zermatscht darf sich vieler Punkte rühmen. Oder auch die „Death Press“, dessen Name schon fast selbsterklärend ist. Hier müssen nur viele Gegner in die Presse geworfen werden bevor die Zeit abläuft. Wie schon zuvor ist die Kreativität sich solche Spiele auszudenken bei den Entwicklern sehr groß, sodass die gesamte Mischung aus Waffengewalt, Improvisation und Missbrauchen der Umgebung als Waffe und auch die Minispiele ein Level sehr abwechslungsreich gestalten können. Davon einmal abgesehen, dass Events wie das Erscheinen von starken Gegnern mit gigantischen Kettensägen oder das Vorbeifahren von stachelbewehrten Fahrzeugen das Gameplay ebenfalls etwas auflockern.

Wenn genug Punkte gesammelt wurden, endet jedes Spiel in einem Bossfight gegen einen anderen mächtigen Teilnehmer. Dies erinnert mehr als andere an „No More Heroes“ und deren Bossgegner. In Mad World sind diese Kerle (und Frauen) zwar weit aus weniger charismatisch und charakterlich flach, aber ebenso ideenreich und skurril. Von asiatischen Fächerkämpfern und Sumoringern bis zu Generälen mit Turbinenarmen und monströsen Waffenschwingern ist alles dabei. Natürlich gilt es den Schwachpunkt zu finden und damit dann den Boss aufs Korn zu nehmen. Meistens geschieht dies ebenfalls in Form von Quicktime-Events, der entweder bei Versagen mit einer Abreibung für Jack oder bei richtigem Wiimotegeschwinge für seinem Gegner endet. Die Taktiken sind jedoch vielfältig und wissen immer zu begeistern. Der abschließende und für jeden Boss einzigartige Finisher ist dabei nur die Krönung dafür.

 

Jacks wahrer Durchbruch. Das wird Morgen sicher immer noch wehtun...

Some men want to see the world burn!

So überraschend das klingt, aber Mad World hat eine Geschichte zu erzählen. Und die ist nicht unbedeutend für das gesamte Spiel, auch wenn dies auf den ersten Blick schwer erkenntlich ist. Unschwer zu erkennen, dass die Handlung an den Filmen „Running Man“ oder „Escape from New York“ (zu Deutsch „Die Klapperschlange“) angelehnt ist.

Ohne große Erklärung wird der Spieler in das Geschehen geworfen und findet sich erstmal nur in den Klängen aus Gewalt und Blut wieder. Terroristen haben einen Teil von Varrigan City übernommen und es in eine riesige Spielarena für die Fernsehshow Death Watch umgestaltet. Ohne Kontakt zur Außenwelt kämpfen die Menschen um Geld, der Zuschauer entscheidet sich für ein Ranking der beliebtesten Teilnehmer. Doch je weiter das Spiel voranschreitet, umso stärker und spannender wird die eigentliche Haupthandlung. Gerade der Protagonist, der Anfangs nur als Terminatorverschnitt mit Kettensäge auftritt, hat mehr als nur ein Geheimnis zu verbergen. Doch Jack braucht einen Sponsoren, der seinen Auftritt finanziert um weiter zu kommen. Diesen findet er immerhin in dem so genannten „Agent XII“, der gewillt ist das Talent zu fördern. Und Talent besitzt er ohne Zweifel, denn bald steigt Jack zum Zuschauerliebling auf, schnell und stark genug, dass er den Machern von Death Watch ein Dorn im Auge wird. Ein mysteriöser Virus, die Tochter des Bürgermeisters und die wahre Identität Jacks wird nach und nach den Spieler mit einer spannenden Geschichte überzeugen können, mehr als man von einem blutigen, interaktiven Comic hätte erwarten können.

Besonders zu betonen sind in jedem Fall die filmreifen Dialoge zwischen den Figuren. Nicht nur durch die gute Vertonung, sondern auch durch den teils düsteren und grausamen Inhalt. Es ist mehr als nur eine Spielshow. Es ist mehr als nur die Kamera, die das Sterben beobachtet. Die Gesellschaftskritik, die hinter der Spielshow steckt, ist einer der Hauptmerkmale seiner Handlung. Die dekadente Oberschicht, die aus lauter träger Langeweile sich an blutigen Grausamkeiten ergötzt, das Fernsehen der absurd menschenverachtenden Realitätshows und auch das abgekartete Spiel innerhalb von Death Watch sind bezeichnend für diese fiktive Gesellschaft, die sich in den unweigerlichen Abgrund treibt und die zudem unangenehm viele Verknüpfungen zur Realität findet.

Auch die schonungslose Brutalität findet ihren Platz im Gefüge, da diese ein Hauptpunkt der Kritik ist, nicht nur für die Allgemeinheit, teils auch für den Spieler selbst. Es ist interessant und fesselnd zugleich und ein recht überraschend ernster Ausgleich für die Überzeichnung und den Schwarzen Humor. Die Mischung aus beiden, die Mad World am Ende bietet, ist überzeugend. Im Kranken und im Bitteren.

 

Die Fächer hier sorgen sicher nicht nur für Kühlung.

Wir bringen es schnell zu Ende

Die realistische Durchspielzeit von Mad World liegt bei 6-7 Stunden, was eindeutig zu wenig für ein modernes Videospiel ist. Aber immerhin lockt es zu einem zweiten Durchgang mit einem mehr als fordernden „Hard Mode“ an dem Coregamer ihre Freude haben werden. Zudem schaltet es zwei neue Waffen frei, die auch gerne einmal probiert werden können.

Was jedoch interessant ist, ist der Multiplayermodus des Spiels, der leider nur offline funktioniert. Zusammen mit einem Kumpel dürft ihr alle „Blood Bath Challenges“ von Mad World nachspielen und das sind nach Abschluss des Spiels reichlich. Insofern ist Mad World nicht ganz so falsch auf der Wii, immerhin kann man es so noch als eine übliche Minispielsammlung durchgehen lassen. Dafür darf sie sich dann auch mit dem Titel „die blutigste Minispielsammlung aller Zeiten“ rühmen, wobei Otto Normalzocker schon froh sein darf, dass das Spiel nicht unter dem wiifreundlichen Namen „Bloody Chainsaw Party“ in die Regale kam.

Der Modus bringt auf jeden Fall seinen Spaß mit, wenn man jemand findet, der sich an der absurden Gewaltdarstellung nicht stört. Eine kleine Regeländerung wird jedoch für zwei Spieler vorgenommen: Die CPU-Gegner haben unterschiedliche Masken auf und jeder Spieler kriegt nur Punkte gutgeschrieben, wenn er Feinde mit der ihm zugeteilten Maske tötet. Jeder andere wird auf dem Konto des zweiten Spielers verbucht. Dies gilt aber auch nur dann, wenn man die Gegner auf die für das Minispiel vorgeschriebene Art tötet. Nehmen wir als Beispiel einmal „Death Press“. Ziel für Spieler 1 wird es sein, alle Gegner mit der Ochsenmaske in die Presse zu werfen, da sie ihm Punkte bringen, er kann jedoch die Feinde, die seinem Mitspieler zugeteilt sind mit der Kettensäge zerteilen, bevor dieser die Chance hat diese selbst in die Presse zu schleudern. So gilt es also für beide 'ihre' Gegner in die Presse zu werfen, bevor der andere Mitspielern ihnen diese Chance nehmen kann. Als fiesen Zusatz oben drauf dürfen sie auch beide Spieler gegenseitig töten oder der Death Press übergeben, was dem getöteten Mitspieler wertvolle Zeit kostet. Diese Rangelei kann sogar abendfüllend werden und ist auf jeden Fall ein sehr nettes Gimmick zum eigentlichen Spiel. Allerdings kann auch dies nicht über die kurze Spielzeit hinwegtäuschen. Doch trotz allem sind diese wenigen Stunden immerhin mit viel Inhalt und Ideen gefüllt worden.

 

Die Gegner haben den Dreh sicher bald raus.

Fazit:
Was man von Mad World erwartet ist ein hirnloses Gemetzel, dass die eigene Abartigkeit als Kaufgrund nimmt und mit schriller Gewalt seine Fehler überstreichen will. Was man jedoch bekommt ist etwas völlig anderes. Klar ist die Gewalt des Spiels eine rote Standarte mit der sie sich rühmt, sonst wäre sie nicht derart betont und in Szene gesetzt worden, doch hinter der Fassade aus Blut und Mord steckt eine überraschend starke Essenz, die dem Spiel selbst bei genauerer Betrachtung den Rücken deckt. Die Grafik ist ein Blickfänger, die Musik ohrenbetäubend und der Inhalt böse und abgefahren, aber tief und gehaltvoll. Vielleicht lässt sich Mad World am besten als ein kurzer Rausch aus schwarzer Comictinte und blutiger Filmaction beschreiben. Ein markantes Werk, nicht nur für die kleinen Ecken und Kanten seiner Fehler, sondern auch für den Mut aus einem Videospiel mehr als nur eine Anpassung an den Massengeschmack zu liefern und auch dem Spiel etwas eigenes zu bringen, ein Herz. Und wenn es nur mit schwarzer Tinte gezeichnet ist.

Gamekanal.de – Blackwolfs Empfehlung: Trotz der kurzen Spielzeit ist Mad World eine klare Empfehlung für Hardcore-Zocker und Action-Liebhaber. Nicht nur wegen mangelnder Konkurrenz auf der Wii, sondern auch wegen seiner erzählerischen und stilistischen Einzigartigkeit und seinem unbezweifelbaren Unterhaltungswert. Doch jeder der sich zart beseitet oder empfindlich gegenüber Gewalt fühlt, wird die Klänge, die das Spiel anschlägt gar nicht erkennen wollen und dementsprechend überflüssig wird das Geschehen einem vorkommen. Wer sich für eine Packung dunklen Humor und Mad Worlds Abgefahrenheit begeistern kann oder einmal Lust auf ein völlig anderes Videospielerlebnis hat, der wird einiges an Spaß damit haben.

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Mad World - Review

Ist ne Hammer-Review:) Ein Meisterwerk:D